19. Juli 2026
Fahrzeugschein richtig lesen, um das richtige Teil zu bestellen
Die Felder, die wirklich zählen
Der Fahrzeugschein (offiziell Zulassungsbescheinigung Teil I) hat Dutzende Felder, aber für das richtige Ersatzteil braucht man in der Praxis nur vier. Diese Übersicht reicht für die meisten Bestellungen:
| Feld | Was drinsteht | Worüber es entscheidet |
|---|---|---|
| P.1 | Hubraum in cm³ | Teilefamilie: Filter, Dichtungen, Steuerkette bzw. -riemen |
| P.2 | Nennleistung in kW | Trennt Motorvarianten mit gleichem Hubraum |
| P.3 | Kraftstoffart | Benzin oder Diesel — vertauscht passt fast nichts |
| 2.1 / 2.2 | HSN und TSN | Exakte Fahrzeugvariante beim Teilehändler |
Diese Codes sind übrigens nicht deutsch, sondern EU-weit harmonisiert: Dieselben Feldnummern P.1 und P.3 stehen genauso auf einer italienischen carta di circolazione oder einem spanischen permiso de circulación — praktisch, wenn ein Teil aus einem anderen EU-Markt kommt.
Hubraum im Fahrzeugschein: Feld P.1
Der Hubraum steht in Feld P.1 der Zulassungsbescheinigung Teil I, angegeben in cm³ — also zum Beispiel 1598 und nicht "1.6".
Genau dieser Unterschied ist der Punkt. Die verkaufsübliche Angabe "1.6" fasst mehrere Motoren zusammen, die sich um einige cm³ unterscheiden können, und die dann unterschiedliche Dichtungen, Filter oder Steuerketten verbauen. Wer beim Teilehändler "ein 1.6er" sagt, überlässt dem Gegenüber die Auswahl; wer den cm³-Wert aus P.1 nennt, hat die Variante schon zur Hälfte festgelegt. Zusammen mit der Kraftstoffart aus P.3 grenzt der Hubraum die Teilefamilie in den meisten Fällen eindeutig ein.
kW im Fahrzeugschein finden: Feld P.2
Die Motorleistung steht in Feld P.2, in Kilowatt. Für PS multipliziert man den Wert mit etwa 1,36 — 74 kW sind also rund 100 PS.
Die Leistung ändert das Ersatzteil selten direkt, aber sie ist der schnellste Weg, zwei Varianten mit identischem Hubraum zu trennen: derselbe 1,9-Liter-Diesel gibt es je nach Baujahr und Markt mit 66, 74 oder 85 kW, und daran hängen Turbolader, Einspritzung und manchmal die Kupplung. Wichtig: Verwechsle P.2 nicht mit den Feldern zum Standgeräusch — dort steht ein Dezibel-Wert und die Drehzahl, nicht die Leistung. Wer aus dem falschen Feld abliest, bekommt eine Zahl, die zu keiner Motorvariante passt.
Kraftstoffart: Feld P.3 — das Feld mit dem größten Schaden
Feld P.3 nennt die Kraftstoffart: Benzin, Diesel, Autogas, Erdgas, Hybrid oder Elektro.
Ein Fehler hier führt nicht zu einem knapp falschen, sondern zu einem völlig unpassenden Teil. Ein Dieselkraftstofffilter passt nicht an einen Benziner. Ein Benziner hat Zündkerzen und keine Glühkerzen. Viele Benzin-V-Motoren laufen mit Steuerkette, es gibt also gar keinen Zahnriemenwechsel zu verkaufen. Deshalb gilt: P.3 wird gelesen, nicht aus dem Modellnamen geschlossen.
HSN und TSN: wo stehen sie im Fahrzeugschein?
Die Herstellerschlüsselnummer (HSN) steht in Feld 2.1, die Typschlüsselnummer (TSN) in Feld 2.2 der Zulassungsbescheinigung Teil I.
Zusammen identifizieren sie die exakte, beim Kraftfahrt-Bundesamt hinterlegte Fahrzeugvariante — genauer als Marke und Modellname allein, und oft der schnellste Weg, um online oder beim Teilehändler die richtige Ausführung zu bestätigen, besonders bei Modellen mit vielen Motor- oder Ausstattungsvarianten.
Bei Fahrzeugen, die vor Oktober 2005 zugelassen wurden, heißt das Dokument noch Fahrzeugschein und die Nummern stehen an anderer Stelle: die HSN in Feld 2, die TSN in Feld 3. Auf manchen älteren Bescheinigungen findet sich die TSN auch in Feld 2.3. Entscheidend ist das Zahlenpaar, nicht die Feldbezeichnung.
OEM-Nummer im Fahrzeugschein? Die steht dort nicht
Kurz und klar: eine OEM- oder Ersatzteilnummer steht nicht im Fahrzeugschein. Das Dokument beschreibt das Fahrzeug, nicht seine Einzelteile — es gibt dort kein Feld dafür, und danach zu suchen kostet nur Zeit.
Der Weg von den Fahrzeugdaten zur Teilenummer läuft in zwei Schritten. Erst identifizieren die Felder oben die Variante: Hubraum aus P.1, Leistung aus P.2, Kraftstoff aus P.3, dazu HSN/TSN. Dann liefert ein Teilekatalog zu dieser Variante die OEM-Nummern. Bei gängigen Fahrzeugen funktioniert das direkt. Bei Importen, seltenen Geländewagen und rebadgeten Modellen bricht genau dieser zweite Schritt ab — der Katalog kennt den Modellnamen nicht. Dann hilft die Spenderplattform: Man sucht die OEM-Nummer über das mechanisch verwandte Fahrzeug, das der Katalog kennt.
Für sicherheitsrelevante Bauteile bleibt der letzte Schritt derselbe: Bremsen und Lenkung immer über die OEM-Nummer oder am ausgebauten Teil bestätigen, nie nach Ähnlichkeit.
Motorkennbuchstabe im Fahrzeugschein: Feld D.2 — wenn er überhaupt drinsteht
Wenn der Motorkennbuchstabe im Fahrzeugschein steht, dann in Feld D.2. Er steht dort aber nur bei einem Teil der Fahrzeuge — bei vielen, besonders älteren Modellen, sucht man vergeblich.
Ist das Feld leer oder trägt nur die Typbezeichnung, findest du den Code an diesen Stellen:
- Am Motorblock — eingestanzt, je nach Motor gut versteckt.
- Im Serviceheft — bei einigen Herstellern als Aufkleber, verbreitet im VAG-Konzern (VW, Audi, Seat, Skoda).
- Im CoC-Papier (Übereinstimmungsbescheinigung) — dort unter Punkt 21.
- In der Werkstatt — Fachbetriebe lesen ihn über FIN oder HSN/TSN aus ihren Datenbanken.
Das ist kein Beinbruch, solange man es weiß: Für die meisten Bestellungen reichen P.1, P.2 und P.3 zusammen mit HSN/TSN völlig aus. Problematisch wird es nur, wenn ein Werkzeug eine Motorkennung behauptet, die nirgends im Dokument steht — dann bestellt man auf eine Angabe, die niemand gelesen hat.
Typische Fehler
Der häufigste Fehler ist die geratene Kraftstoffart: Ein Fahrzeug kann nach der Zulassung auf Autogas umgerüstet worden sein, und der aktualisierte Fahrzeugschein zeigt das — aber am Telefon vergisst ein Kunde das oft zu erwähnen. Der zweite häufige Fehler ist, das Erstzulassungsjahr mit dem Modelljahr zu verwechseln: Ein 2020 zugelassenes Auto kann noch einen Motor oder eine Ausstattung aus dem vorherigen Produktionszyklus haben — deshalb schlägt die Motorkennung im Zweifel immer das Jahr. Der dritte, subtilere Fehler: die "verkaufsübliche" Hubraumangabe (zum Beispiel "1.6") statt des genauen cm³-Werts aus dem Fahrzeugschein zu lesen, der zwischen Motoren derselben Baureihe, aber unterschiedlicher Fertigung, um einige cm³ abweichen kann.
Wie Ricambio das Foto liest (und was nicht gespeichert wird)
Bei Ricambio kannst du ein Foto des Fahrzeugscheins hochladen, statt die Felder von Hand abzutippen: Das System liest Marke, Modell, Hubraum (P.1), Leistung (P.2) und Kraftstoffart (P.3) direkt aus dem Bild und nutzt sie, um das Teileblatt zu erstellen. Was nicht im Dokument steht, wird auch nicht behauptet: Steht dort keine Motorkennung, bleibt das Feld leer und wird als ungeprüft ausgewiesen, statt eine plausibel klingende Nummer zu erfinden — auf eine erfundene Kennung würdest du sonst bestellen. Das Bild wird nur zum Auslesen des Fahrzeugs verarbeitet und nicht gespeichert — derselbe Grundsatz gilt für das Kennzeichen, falls es im Bildausschnitt zu sehen ist. Wenn der aus dem Foto gelesene Motor nicht stimmt (etwa nach einer Autogas-Umrüstung, die noch nicht im Dokument steht), kannst du ihn vor der Suche manuell korrigieren: Die Kraftstoffart lässt sich im Suchformular immer von Hand anpassen.
Es reicht, wenn die Felder P.1, P.3 und die Motorkennung scharf und ohne Spiegelungen zu lesen sind — das ist die häufigste Ursache für eine falsche Erkennung, nicht die Kameraqualität. Und die Oberfläche ist komplett auf Deutsch: vom Foto bis zum fertigen Teileblatt läuft alles in deiner Sprache.
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